Logo des InstitutsInstitut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

"Digitales Flurnamenlexikon" (DFL)

Kooperation mit  Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz.

Leitung Dr. Elmar Rettinger, Dr. Rudolf Steffens (unter Mitarbeit von Stefan Dumont, Rita Heuser, Jessica Nowak, Torsten Schrade, Simone Würz, Katja Coutandin)

Gefördert von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (Z.I.R.P.) und dem Landwirtschaftlichen Kränzchen Alzey-Worms e.V.

Das Projekt möchte die verstreut vorliegenden Flurnamensammlungen in einer Datenbank sammeln, sichern und im Internet präsentieren. Seit September 2008 sind erste Daten in einer auf TYPO3 basierende Datenbank unter www.flurnamenlexikon.de online. Der Bestand ist inzwischen auf immerhin 17.000 Datensätze angewachsen und wird laufend erweitert sowie in seiner Darstellung optimiert. Dabei setzen wir auch auf die Hilfe von an Flurnamen Interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Zurzeit entwickeln wir eine Online-Tutorial zur Dateneingabe und bieten auch bei Bedarf Einführungen am Institut in Mainz zur Dateneingabe an.

Was sind Flurnamen?

Flurnamen sind Benennungen für Einzelflächen in der Ortsgemarkung. Mit Flurnamen werden Äcker, Wiesen, Weideland, Weingärten, Brachland, Wälder, Sümpfe, Berge und Hügel, Täler, Uferbereiche und anderes mehr benannt. Sie dienen der Orientierung im Raum und identifizieren Objekte innerhalb kleinerer geographischer Einheiten, meist einer Dorfgemarkung. Wer weiß, was eine Schindkaute ist? Der Name bezeichnet Stellen, an denen früher der Schinder das verendete Vieh vergraben hat. Flurnamen sind wie ein historisches Archiv: Sie bewahren Informationen aus der Vergangenheit.

Warum sind Flurnamen heute von Interesse?

Die Kenntnis der Flurnamen ist heute weitgehend auf ältere Mitmenschen beschränkt, welche einer agrarischen Tätigkeit nachgehen. Zudem gehen viele Flurnamen durch Ausweitung der Siedlungen (Neubaugebiete) verloren. Sie leben gelegentlich allenfalls in Straßennamen weiter, zum Beispiel Im Gehren. Dies ist ein Flurname, welcher spitz zulaufende Ackerflächen bezeichnet und sich aus dem mittelhochdeutschen Wort gêr mit der Bedeutung "Speer" herleitet. Die Flurnamen bieten so ein reiches Erkenntnisreservoir für die historischen Wissenschaften. Die Flurnamen sind für Winzer und am Weinbau Interessierte von großer Bedeutung, da die heutigen Lagenamen zum großen Teil auf ehemalige Flurnamen zurückgehen. So ist der Name "Oppenheimer Krötenbrunnen" sowohl Flur- als auch Weinlagename. Darüber hinaus sind Flurnamen gerade für jüngere Generationen und Neubürger in den Gemeinden von großem Interesse, schaffen sie doch eine Verbindung zur eigenen Region und fördern damit das Identitätsbewusstsein.

Was liegt an Material bereits vor?

Das "Rheinland-Pfälzische Flurnamenarchiv" am Institut für Geschichtliche Landeskunde enthält Flurnamen-Listen aus 3362 Gemarkungen des Bundeslandes auf ca. einer halben Million Karteikarten. Seit 1969 wurden die Flurnamen Rheinhessens für das "Rheinhessische Flurnamenarchiv" der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz systematisch gesammelt. Darüber hinaus existiert eine große Zahl von Arbeiten aus dem universitären Bereich und aus der Feder von Lokalforschern in ganz Rheinland-Pfalz, die sich mit Flurnamen beschäftigen. Diese Sammlungen und Publikationen liegen in unterschiedlicher Form - digitalisiert, als Manuskripte, auf Karteikarten - vor und sind schwer zugänglich.

Was will das Projekt und was ist neu daran?

Flurnamensammlungen gibt es in der Bundesrepublik viele. Das Digitale Flurnamenlexikon will die Ergebnisse der vielfältigen Arbeiten und Sammlungen zunächst für einen lokalen Bereich und dann für ganz Rheinland-Pfalz sichern und der Allgemeinheit zugänglich machen. Das Projekt ist in der bundesrepublikanischen Forschungslandschaft einmalig: zum einen im Hinblick auf den konsequenten Einsatz der EDV und des Internets, zum anderen durch die Weckung von Ressourcen im Bereich der nichtprofessionellen Flurnamenforschung. In einem ersten Schritt werden Flurnamen - zunächst für räumlich überschaubaren Bereich - in eine Datenbank eingegeben und im Internet der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Wie können Sie sich an dem Projekt beteiligen?

Das Projekt ist als Initialzündung gedacht, um Lokalforscher anzuregen, an dem Projekt mitzuarbeiten und eigene Informationen beizusteuern. Die Daten können dem Institut zur Verfügung gestellt, im Institut direkt in die Datenbank eingespeist oder - dies ermöglicht die Verbindung mit dem Projekt "regionalgeschichte.Net" - über ein Eingabeformular im Internet von überall eingegeben werden. Die Angaben werden im Institut von den wissenschaftlichen Mitarbeitern gesichtet und in die Datenbank überführt. Auf diese Weise soll nach und nach eine flächendeckende Dokumentation der Flurnamen in Rheinhessen und darüber hinaus in Rheinland-Pfalz zustande kommen.

Linktipp

Datenbank "Digitales Flurnamenlexikon"

Eine erste Version der Datenbank wurde im Internet bereitgestellt. Die Datenbank enthält bisher Flurnamen aus Mainz sowie aus folgenden Mainzer Vororten: Bretzenheim, Zahlbach, Drais, Gonsenheim und Marienborn. Sie wird im Laufe des Projekts weiter ergänzt. Die Datenbank ist unter flurnamenlexikon.de direkt erreichbar.