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Die Ingelheimer Haderbücher - Ein Editionsprojekt

Leitung: Dr. Werner Marzi
Bearbeiter: Dr. Regina Schäfer und Dr. Stefan Grathoff

Haderbuch

Beispielseite aus einem Haderbuch

Beispielseite aus einem Haderbuch

»Hader« ist ein alter Ausdruck für Zank und Streit. Bei den Ingelheimer Haderbüchern handelt es sich um die frühesten, seriell erhaltenen gerichtlichen Textzeugnisse, die die Prozessführung eines weltlich-deutschrechtlichen Niedergerichtes über einen längeren Zeitraum (1387 bis 1534) hinweg überliefern. Die Haderbücher geben damit einen einzigartigen Einblick in die niedere Gerichtsbarkeit und den Alltag der Menschen im Mittelalter.

Die Haderbücher wurden Jahrhunderte lang in den steinernen Gewölben der Burgkirche in Oberingelheim, späterim dortigen Rathaus aufbewahrt. Als man im Jahr 1879 die verbliebenen 33 Haderbücher an das zuständige Großherzogliche Hof- und Staatsarchiv in Darmstadt abgeben wollte, versteckten  Ingelheimer Bürger einige der Bücher in ihren Häusern. So entgingen sie den Beeinträchtigungen zu Ende des 2. Weltkrieges.

Für die Streitfälle des Ingelheimer Alltags - Nieder- und Oberingelheim sowie Groß-Winternheim - waren der Schultheiß und die Schöffen der Ortsgerichte (Niedergerichte) zuständig. Diese Laienrichter sprachen Recht nach alten Herkommen und Gewohnheit. Doch bereits zu Ende des 14. Jahrhunderts sind geschulte (studierte) Anwälte und Rechtsbeistände anzutreffen, werden die Einflüsse des römischen Rechts in der Rechtsprechung der Gerichte zunehmend bemerkbar.

Eine kurze Einführung in die Thematik bietet der Aufsatz von Werner Marzi »Die Ingelheimer Haderbücher« [mehr]. Eine im Aufbau befindliche Literaturauswahl weist weitere Wege in das Thema.

Das Projekt

Aus: Blattmann, Beobachtungen

Aus: Blattmann, Beobachtungen

Im Besitz der Stadt Ingelheim befinden sich heute noch 18 Haderbücher und 6 Fragmente. Die Stadt Ingelheim als Eigentümer hat dem Institut für Geschichtliche Landeskunde einige dieser Bücher für die wissenschaftliche Bearbeitung zur Verfügung gestellt.

Das Projekt hat sich zurzeit die Edition von fünf Haderbüchern zum Ziel gesetzt. Vier Bände sind bereits erschienen [mehr ...]. Bd. 5 "Groß-Winternheim 1490–1519" ist in Vorbereitung.

Im Zuge des 4. Bandes hat sich das IGL für eine neue Publikationsform entschieden. Das Buch umfasst nicht den gesamten, über 900 Seiten starken Quellentext des Ober-Ingelheimer Haderbuchs 1518–1529, sondern es werden aus dem Gesamttext 19 beispielhafte Streitfälle aus verschiedenen Themenkreisen mit einer vollständiger Transkription sowie Übertragung ins heutige Deutsch vorgestellt und kommentiert. Der komplette historische Quellentext wird dagegen für eine Online-Ausgabe mit vollständiger Transkription, Übersetzung und einem ausführlichen interaktiven Index vorbereitet.

Mit dieser Hybrid-Edition leistet das IGL einen wesentlichen Beitrag im Bereich der so genannten Digital Humanities (Digitale Geisteswissenschaften), zu deren Grundgedanke u.a. die Vereinfachung der Benutzbarkeit von historischen Dokumenten für die Wissenschaft gehört. Diese Verfügbarkeit ist auch deshalb von hoher Relevanz, weil die Ingelheimer Haderbücher für eine Vielzahl von Disziplinen und Fragestellungen nützlich sind. Interessant sind sie demnach nicht nur für die Geschichtswissenschaft, sondern z.B. auch für die Sprach-, Rechts- und Kulturwissenschaften.

Auch der nachfolgende Band 5 soll auf diese Weise präsentiert werden.

 

 

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Das Projekt wird gefördert von