Logo des InstitutsInstitut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Projekt "Mainzer Inschriften" (in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und i3mainz - Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik)

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Rüdiger Fuchs, Dr. Eberhard J. Nikitsch

Projektmanagement: Dr. Elmar Rettinger

Die Bedeutung der Inschriften der Stadt Mainz und des Domes

Dom-Marktportal

Dom-Marktportal

Inschriften üben eine große Faszination auf die Menschen aus. Sie vermitteln dem Betrachter Theologisches, Historisches und Kunsthistorisches. Allerdings erschließen sie sich dem Laien nur schwer und sind mühsam zu entziffern. Der Inschriftenbestand der Stadt Mainz gehört aufgrund der Lage sowie der Entwicklung des (Erz-)Bistums und der Stadt zu den wichtigsten des Alten Reiches und daher auch des heutigen Deutschland.

Der Mainzer Kunsthistoriker Fritz Arens (1912-1986) hat die Inschriften in den 1950er Jahren publiziert: Die Inschriften der Stadt Mainz. Gesammelt und bearbeitet von Fritz Viktor Arens aufgrund der Vorarbeiten von Konrad F. Bauer. Die Deutschen Inschriften. Bd. 2. Stuttgart 1958. Der Umfang der Arensschen Bearbeitung und ihre Komplexität legen von der Bedeutung der Mainzer Inschriften eindrucksvoll Zeugnis ab. Der Band wird viel und intensiv genutzt, obwohl seine Sammlung vor 80 Jahren begann, durch Krieg und Mangelwirtschaft gehindert wurde und die Veröffentlichung in Lieferungen von 1952 bis 1958 insbesondere in der bildlichen Dokumentation nicht in allen Belangen das Wünschenswerte erreichte. Außerdem sind die Nachträge des Bearbeiters und die Fortführung der Edition bis 1800 für auswärtige Benutzer und Interessenten nur schwer zu recherchieren.

Die Arenssche Sammlung wird weiterhin hochgeschätzt, doch verdient es der Inschriftenbestand der Stadt Mainz und insbesondere der des Domes und Diözesanmuseums, nach modernen Editions- und Präsentationsmethoden und unter Einbeziehung der seither geleisteten methodischen und fachlichen Fortschritte neu bearbeitet sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden.

Wissenschaftsallianz verschiedener Institutionen

Angesichts der Größe und Komplexität der Aufgabe sollten sich verschiedene Partner im Rahmen der "Mainzer Wissenschaftsallianz" zusammenschließen und ihre Kenntnisse und Erfahrungen einbringen. Mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz steht eine Institution von höchster wissenschaftlicher Kompetenz in Sachen Inschriften zur Verfügung. Im Rahmen des Deutschen Inschriftenwerks bearbeitet die Forschungsstelle "Die Deutschen Inschriften" der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (http://www.adwmainz.de) die nachrömischen Inschriften der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Die Sicherstellung des wissenschaftlichen Niveaus und der Beschaffung der Daten für die Digitalisierung liegt in den Händen dieser Forschungsstelle.

Das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. gehört zu den renommierten landesgeschichtlichen Instituten in Deutschland. Das Institut hat in den vergangenen Jahren in zahlreichen Projekten Erfahrungen im Rahmen der Digitalisierung von historischen Quellen und ihrer Präsentation im Internet gesammelt. Über die Digitalisierung und Präsentation der Inschriften im Internet hinaus übernimmt das Institut das Projektmanagement, insbesondere die Verwaltung der Mittel.

Das i3mainz Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik beschäftigt sich mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie mit Technologietransfer vor allem auf den Gebieten Raumbezogene Informationssysteme (http://www.i3mainz.fh-mainz.de).

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat sich mit anderen Hochschulen, Akademien, Instituten, Museen und forschenden Unternehmen aus Mainz und Umgebung in der "Mainzer Wissenschaftsallianz" zusammengeschlossen. Ziel des Initiativkreises ist es, das wissenschaftliche Potenzial von Mainz stärker bewusst zu machen und sich als Partner der Allianz besser zu vernetzen. Das Projekt ist ein konkretes Beispiel für diese Wissenschaftsallianz. Ziel ist es, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit für die Öffentlichkeit verfügbar und verstehbar zu machen. Unser Ziel ist es, die entsprechenden kirchlichen Institutionen in die Kooperation einzubeziehen.

Die Erfahrungen mit dem Projekt "Inschriften Mittelrhein-Hunsrück (IMH)"

Das Projekt orientiert sich an Erfahrungen und Entwicklungen, welche die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und das Institut für Geschichtliche Landeskunde bereits im Rahmen ihres Kooperationsprojektes "Inschriften Mittelrhein-Hunsrück" gemacht haben. Dieses von den rheinland-pfälzischen Ministerien für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur und Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie dem EU-Programm Leader+ geförderte Unternehmen betrifft die mittelalterlichen Inschriften des Mittelrhein- Hunsrück-Raumes, startete Anfang 2007 und ist mittlerweile abgeschlossen.

Die Inschriften, welche von der Forschungsstelle "Die Deutschen Inschriften" der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur gesammelt und kommentiert wurden, werden in einer auf neuestem technischen Stand beruhenden Datenbank im Internet präsentiert. Darüber hinaus wurden insgesamt 12 Broschüren zu einzelnen Kirchen gedruckt, welche eine Auswahl der sichtbaren Inschriften enthalten. Sie bieten dem Kirchenbesucher Detailfotos und verständliche Kommentare zu den Inschriften, mit welchen er sich direkt vor Ort über die Denkmäler informieren kann. Zusätzlich können über Kommentare Erklärungen zu Denkmälern oder religiösen Themen erfolgen. Das Projekt wurde mit großem Erfolg der Öffentlichkeit vorgestellt und hat auch Aufsehen in der Fachwelt erregt.

Das Projekt "Die Mainzer Inschriften – Teil 1: Die Inschriften des Mainzer Domes und des Dom- und Diözesanmuseums"

Aufgrund der Erfahrungen mit dem Projekt IMH und seines Erfolges liegt es auf der Hand, den seit langer Zeit vergriffenen Inschriftenband Mainz als Basis zu nehmen und die Inschriften nach heutigen Richtlinien neu zu beschreiben und mit modernen Mitteln einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Angesichts der über 1800 Mainzer Inschriften ist eine konventionelle Neuauflage in Buchform zurzeit nicht realisierbar. Daher bietet sich die moderne, leichter finanzierbare und nicht zuletzt eine größere Öffentlichkeit erreichende Präsentation im Internet an.

Ihrer Bedeutung entsprechend sollen zuerst die Inschriften des Domes und des Dom- und Diözesanmuseums in zeitlich überschaubaren Blöcken bearbeitet und in wissenschaftlich fundierter Form digital veröffentlicht (www.inschriften-online.de) werden. Zugleich werden die Inschriften in übersichtlichen und praktischen Broschüren publiziert. Diese gedruckten Publikationen erfassen ausschließlich die sichtbaren, d.h. dem Besucher zugänglichen Inschriften, verzichten auf den wissenschaftlichen Apparat und richten sich in einer allgemeinverständlichen Sprache an die Öffentlichkeit. Jeder an der kompletten wissenschaftlichen Bearbeitung Interessierte kann sich in der Datenbank im Internet informieren.

Die wissenschaftliche Neubearbeitung stellt somit die Basis für die populäre Darstellung der Inschriften für die Allgemeinheit dar. Daraus ergibt sich folgende Vorgehensweise:

  • Die Bearbeitung erfolgt nach den modernen Regeln der Reihe "Die Deutschen Inschriften". Es erfolgt eine gründliche Neubearbeitung einschließlich Korrektur, Nachprüfung der Standorte, Dokumentation und neuer Artikelstruktur. Der Arenssche Band dient als Quelle und Referenz.
  • Die Inschriftenartikel erhalten eine neue Zählung. Die Zählung bei Arens wird vermerkt.
  • Die Zweiteilung des Bandes in die Bereiche Dom bzw. Dom- und Diözesanmuseum sowie übrige Standorte bleibt bestehen, weil sie für die digitale Fassung nicht erheblich und für die Weiterverarbeitung vorteilhaft ist. Auf diese Weise kann man die wissenschaftliche Bearbeitung langsam fortschreitend mit Broschüren begleiten.
  • Die Datenerfassung wird auf eine digitale Publikation ausgerichtet, soll aber auch eine gedruckte Fassung ermöglichen, falls dies wünschenswert erscheint und dafür Mittel vorhanden sind.
  • Die Neubearbeitung der Inschriften des Domes und des Dom- und Diözesanmuseums ist als Pilotprojekt für das umfassende Projekt "Die Mainzer Inschriften" gedacht. Im Anschluss an das Teilprojekt ist über geeignete Organisationsformen zur Weiterführung nachzudenken. Dabei ist die Kooperation verschiedener Institutionen und Einzelpersonen wünschenswert. Gedacht ist dabei an Vertreter des Bistumsarchivs, des Stadtarchivs, der Universität sowie an lokal einschlägig ausgewiesene Historiker und Kunsthistoriker. Die potenziellen Bearbeiter nutzen die professionelle Technik, die eine dezentrale Eingabe der Inhalte ermöglicht, die für das Projekt IMH erstellt und für die Dominschriften weiterentwickelt wurde.

Das Teilprojekt wird nach 2 Jahren abgeschlossen sein. Erste Ergebnisse wurden im Oktober 2010 präsentiert: damit ist nun ein Teil der Inschriften in der Datenbank recherchierbar und die erste Broschüre 'Die Inschriften des Mainzer Doms und des Dom- und Diözesanmuseums von 800 bis 1350' mit den frühen Inschriften des Mainzer Domes (mit Kommentaren) liegt vor.