Deutscher Familiennamenatlas (DFA)
Leitung: Prof. Dr. Damaris Nübling, Mainz - Prof. Dr. Konrad Kunze, Freiburg / Mitarbeiter/innen: Christian Bochenek, Kathrin Dräger, Fabian Fahlbusch, Julia Fritzinger, Rita Heuser, Jessica Nowak, Julia Nuszpl, Aksana Prakapovich, Miriam Schmidt-Jüngst
Neben dem Hauptprojekt, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wird, entsteht am Institut ein regionales Teilprojekt "Kleiner Familiennamenatlas für Rheinland-Pfalz und Saarland".
Projektbeschreibung
Die Familiennamen sind der einzige Bereich der europäischen Sprachen, der in seiner ausgeprägten räumlichen Vielfalt noch höchst unzureichend erfasst ist. Noch sind die geschichtlich gewachsenen Namenlandschaften in erstaunlicher Stabilität erhalten. Sie sollen im Bereich der Bundesrepublik Deutschland auf der Basis von Telefonanschlüssen (Stand: 2005) anhand systematisch ermittelter und durch repräsentative Beispiele abgedeckter Themenkomplexe analysiert und die Ergebnisse in einem vierbändigen Atlas mit ca. 970 kommentierten Karten dargestellt werden. Philologischen Interessen wird durch einen grammatischen Teil (Bde. 1, 2 und 3: Graphematik, Phonematik, Morphematik, Syntagmatik der Namen) Rechnung getragen, kulturhistorischen durch einen lexikalischen Teil (Bde. 4, 5 und 6), der jeweils den spezifischen Aussagewert der fünf unterschiedlich motivierten Familiennamenklassen (aus Rufnamen, nach Herkunft, Wohnstätte, Beruf, körperlichen oder charakterlichen Merkmalen) berücksichtigt. Dadurch wird die Namenforschung erstmals auf ein tragfähiges Fundament rezenter Daten gestellt, das die Überprüfung alter und besonders die Entwicklung neuer Fragestellungen ermöglicht; ferner wird – da Namen sich gegenüber anderen Sprachbereichen retardiert entwickeln – eine erstrangige Quelle für die Sprachgeschichte, des Weiteren ein hilfswissenschaftliches Instrument für Fächer von der Kirchen- und Sozialgeschichte über die Siedlungs- und Migrationsforschung bis zur Genetik bereitgestellt.
Laufzeit:
Bewilligungszeitraum: 01.02.2005 – 31.01.2011 (+ 1 Jahr).
Projektgliederung
Familiennamen sind als sprachliche Zeichen Gegenstand der Sprachwissenschaft. Andererseits unterliegen Namen innerhalb der sprachlichen Zeichen spezifischen Sonderbedingungen: Zum einen sind sie aufgrund ihrer Funktion, auf Individuen zu referieren, in ihrer Existenz an letztere gebunden. Zum andern wurden bei der Bildung/Entstehung von Familiennamen Sachverhalte/Objekte sprachlich fixiert und dann bis heute tradiert, die im appellativischen Wortschatz aufgegeben wurden. Diese doppelte Fixierung in außersprachlichen Herkunfts- und Verwendungszusammenhängen qualifiziert Namen zu einer erstrangigen Quelle für Untersuchungen auch vieler nichtlinguistischer Disziplinen. Diese Sachlage erfordert eine Aufteilung des Familiennamenatlasses in zwei Teile, von denen der eine nur ausdrucksseitige Phänomene behandelt und rein linguistische Zielsetzungen verfolgt (grammatischer Teil: I), während der andere vorwiegend Aspekte der inhaltlichen Motivation und der Fixierung der Namen an Personen aufgreift und auch den hier ansetzenden interdisziplinären Interessen gerecht zu werden versucht (lexikalischer Teil: II). Ein Schlusskapitel "Zur geographischen Typologie der Familiennamen" soll diese beiden materialanalytisch angelegten Teile durch Ansätze zu einer Synthese ergänzen und versuchen, die räumliche Struktur der deutschen Namenwelt in ihren generellen Konturen zu erfassen.
Grammatischer Teil (I, Bde. 1-3)
Teil I soll eine Grammatik der Familiennamen liefern. Dieser Teil konzentriert sich auf graphematische, phonematische, morphematische und syntagmatische Kapitel und greift in diesem Rahmen sprachgeschichtlich überregional relevante Phänomene auf, deren Ergebnisse sich in der Diversifikation der heutigen Namenwelt mengenmäßig markant abzeichnen. Der sprachliche Sonderstatus der (Familien-)Namen schlägt sich vor allem darin nieder, dass sie sich – diachron – oft langsamer als die Appellativik und von dieser abweichend entwickeln, dass sie – diatopisch – durch ihre Motivationsbereiche oder den Horizont ihrer Benutzer oft regional eingeschränkt sind und dass sie – diastratisch – durchweg der Schicht der Mundart entstammen. Die damit verbundenen Diskrepanzen zwischen Namenschatz und appellativischem Wortschatz bieten interessante Chancen für die Erforschung der Sprachgeschichte. Sie wurden schon immer als Erkenntnisquelle genutzt, was aber bisher nur selektiv möglich war. Jetzt kann und soll dies flächendeckend und systematisch geschehen. Im Unterschied zum Bereich Graphematik/Phonematik ist das onymische Material bei der Morphematik/Wortbildung nur zu geringen Teilen mit dem appellativischen kompatibel. Hier werden diejenigen formalen Mittel systematisch in ihrer Verbreitung behandelt, die aus einer appellativischen oder onymischen Basis einen Familiennamen entstehen lassen. Als Phänomen mit besonderer Frequenz sind z. B. die Diminutivsuffixe aufzugreifen. Im Bereich der Syntagmatik sind vor allem sog. Satznamen zu behandeln (Schlagdenhaufen, Springinsfeld).
Grobgliederung des grammatischen Teils (I, Bde. 1-3)
1 Graphematik und Phonematik
1.1 Vokalqualität im Hauptton (z.B. Müller / Möller / Miller)
1.2 Vokalquantität im Hauptton (z.B. Kohler / Koller)
1.3 Vokale im Nebenton (z.B. Lange / Lang)
1.4 Konsonantismus (z.B. Pieper / Peiffer / Pfeiffer)
2 Morphematik, Wortbildung, Syntagmatik
2.1 Artikel (z.B. de Vries / Fries)
2.2 Präpositionen (z.B. Tomberg / Berg)
2.3 Suffixe (z.B. Tischer / Tischler / Tischner)
2.4 Flexion (z.B. Lange / Langer / Langen)
2.5 Komposition (z.B. -werker / -macher)
2.6 Syntagmen (z.B. Thudichum)
3 Sprachliche Transposition (z.B. Müller / Molitor / Mylius)
Im lexikalischen Teil (II, Bde. 3-5) wird das Material nach den fünf Grundmotiven der Namen-Entstehung angeordnet.
Grobgliederung des lexikalischen Teils (II, Bde. 3 und 4)
1 Familiennamen aus Rufnamen (z.B. Jakob / Jäck / Kopp / Köppen)
2 Familiennamen nach der Herkunft (z.B. Meissner / Meixner)
3 Familiennamen nach der Wohnstätte (z.B. Gruber / Kuhlmann)
4 Familiennamen nach dem Beruf (z.B. Metzger / Fleischer / Schlachter)
5 Familiennamen aus Übernamen (z.B. Faißt / Fett).
Schlusskapitel "Zur geographischen Typologie der Familiennamen"
Geplant sind Karten zu Themen wie: Raumbildung in der Motivation der Familiennamen; Verhältnis der fünf Namenklassen in ländlichen/städtischen Regionen; areale Dichte von Namenkomposita; areale Dichte hochfrequenter Namen; areale Dichte von Sippennestern etc.
MitarbeiterInnen
Freiburg Wiss. Mitarbeiter Christian Bochenek M.A. Kathrin Dräger M.A. Hilfskräfte:
Aksana Prakapovich | Mainz
Jessica Nowak M.A.
Hilfskräfte: Julia Fritzinger, Julia Nuszpl, Miriam Schmidt-Jüngst
|
Weiterführende Hinweise
Neuerscheinung
Deutscher Familiennamenatlas
Hrsg. v. Kunze, Konrad / Nübling, Damaris
Band 1: Graphematik/Phonologie der Familiennamen I: Vokalismus
2009 | Gebunden. Ladenpreis Euro [D] 299,- / für USA, Kanada, Mexiko US$ 463,-. ISBN 978-3-11-018625-3
Band 2: Graphematik/Phonologie der Familiennamen II: Konsonantismus
2010 | Gebunden | Pflichtfortsetzung. Ladenpreis Euro [D] 299,- / für USA, Kanada, Mexiko US$ 419,-. ISBN 978-3-11-022979-0
Band 3: Morphologie der Familiennamen
2012 | Gebunden |Ladenpreis Euro [D] 299,- / für USA, Kanada, Mexiko US$ 419,-. ISBN 978-3-11-027833-0
Erschienen bei Verlag De Gruyter Verlagsseite
Verzeichnisse zu den publizierten Bänden des DFA
Literaturverzeichnis und Liste der Internetseiten werden in bestimmten Abständen aktualisiert
Liste der in Punkt 6. zitierten Internetseiten und Verzeichnisse
Kontakt
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit des Deutschen Instituts der Universität Mainz mit dem Deutschen Seminar I der Universität Freiburg.
Postanschrift Mainz:
Deutscher Familiennamenatlas, Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Geschwister Scholl-Str. 2, 55131 Mainz
Telefon: 06131/577 254
Postanschrift Freiburg:
Deutscher Familiennamenatlas, Universität Freiburg, Deutsches Seminar I, 79085 Freiburg
Telefon: 0761/2033208
Liste der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter siehe weiter unten.
Beispielkarten
- Karte "Südwestdeutsche Varianten von Schmidt"
- Karte "Ober-, Nieder-, Unter- als Erstglied in Komposita"
(Format: pdf)
Anlage der Kommentare
Jede Karte wird durch einen Kommentar begleitet. Ergänzend zur auf der Karte komprimierten Primär-Information liefert dieser Hinweise zu folgenden Punkten:
Fragestellung; Datenabfrage; quantitative Datenbasis der Karte; qualitative Datenbasis; Wahl des Kartentyps; Zusatzinformationen zum Kartenbild; Querverweise auf vergleichbare Karten; historische Belege anhand ausgewählter Quellen; Interpretationen und Literaturhinweise.
Beispielkommentar (pdf)
Literatur zum Thema
- Konrad Kunze (2003): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 4. überarb. u. erw. Aufl. München.
- Konrad Kunze/ Richard Kunze (2003): Computergestützte Familiennamengeographie. Kleiner Atlas zur Apokope. In Beiträge zur Namenforschung 38, S. 121-232.
(dort weitere Literatur)
Veranstaltungen/Vorträge Namenkunde
22.06.2007 Der Deutsche Familiennamenatlas zu Besuch in der Hildegardisschule Bingen. Bericht von Sara Baba’.
30.03.2009 Deutschleistungskurs des Europa-Gymnasiums Wörth zu Besuch beim Deutschen Familiennamenatlas. Bericht von Sandrina Fink.
Vorträge
05.09.2011 Kahrin Dräger: "Der Deutsche Familiennamenatlas Band 4: Herkunfts- und Wohnstättennamen. Konzept und Beispiele." ICOS Barcelona.
05.09.2011 Rita Heuser/Jessica Nowak: "Neue Ansätze in der deutschen Familiennamenforschung. Überlegungen zu einem Digitalen Familiennamenwörterbuch" ICOS Barcelona.
05.09.2011 Damaris Nübling: "Deutsche Eigennamen auf dem Weg zur Deflexion". ICOS Barcelona.
16.09.2011 Damaris Nübling: "Digitale Familiennamenforschung in Deutschland: Perpektiven und Ergebnisse." Workshop "Digitale Familiennamenforschung: Jüngste Entwicklungen und Perspektiven." Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika (DINAMLEX) Wien.
16.09.2011 Mirjam Schmuck: "Regionalspezifik von Familiennamen am Beispiel des Bairischen." Workshop "Digitale Familiennamenforschung: Jüngste Entwicklungen und Perspektiven." Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika (DINAMLEX) Wien.
22.09.2011 Fabian Fahlbusch/Rita Heuser: "Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands. Möglichkeiten und Ziele am Beispiel regionaler Namen." Tagung "Familiennamen zwischen Maas und Rhein: Etymologien, Sprachkontakt, Kartierung" Universität Luxemburg.
Zuletzt erschienen
Ann Marynissen/Damaris Nübling: Familiennamen in Flandern, den Niederlanden und Deutschland - ein diachroner und synchroner Vergleich. In: Antje Dammel/Sebastian Kürschner/Damaris Nübling (Hgg.): Kontrastive germanistische Linguistik. Hildesheim/Zürich/New York 2010, S. 311-362.
Damaris Nübling: Von Schreiner zu Schreinert oder: Auf dem Wege zu einem onymischen Suffix? Der -ert-Ausgang als Ergebnis eines onymischen Verstärkungsprozesses. In: Rügiger Harnisch (Hg.): Prozesse sprachlicher Verstärkung. Typen formaler Resegmentierung und semantischer Remotivierung. Berlin/New York, 2010, S. 129-155.
Rita Heuser/Damaris Nübling: Von Angenendt über Derix, Janssen und Terlinden bis Elspaß. Niederrheinische Familiennamen im Rahmen des Deutschen Familiennamenatlasses. In: Georg Cornelissen/Heinz Eickmans (Hrsg.): Familiennamen an Niederrhein und Maas. Von Angenendt bis Seegers/Zeegers. Bottrop 2010. S. 37-66.
Rita Heuser/Damaris Nübling/Mirjam Schmuck (Hgg.): Familiennamengeographie. Ergebnisse und Perspektiven europäischer Forschung. Berlin/New York 2011.
Kathrin Dräger/Konrad Kunze: Umlautzeichen in deutschen Familiennamen. In: Zunamen. Zeitschrift für Namenforschung 5, 2010, S. 8-39.
Kathrin Dräger: Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus. In: Rita Heuser/Nübling/Schmuck 2011, S. 269-281.
Mirjam Schmuck: Vom Genitiv- zum Pluralmarker: Der s-Plural im Spiegel der Familiennamengeographie. In: Heuser/Nübling/Schmuck 2011, S. 285-304.
Luise Kempf/Jessica Nowak: Neubert, Grunert, Taubert: Die Erweiterung von -er zu -ert im Licht der Familiennamengeographie. In: Heuser/Nübling/Schmuck 2011, S. 305-320.
Damaris Nübling/Fabian Fahlbusch/Rita Heuser: Namen. Eine Einführung in die Onomastik. Tübingen 2012. Verlagsprospekt.
Weblinks zum Thema
- Internetseite des Deutschen Instituts der Universität Mainz
- Projektseite "Deutscher Familienamenatlas"
- Internetseite "Deutscher Familiennamenatlas" Universität Freiburg
- Internetseite der Gesellschaft für Namenkunde e.V. (GfN)
- Crossmediaprojekt des Journalistischen Seminars Universität Mainz, Beiträge zum DFA: Video, Audio
Namenanfragen
Karten zur Verteilung von Familiennamen in Deutschland samt Kommentaren mit Erläuterungen zum Kartenbild und zur Namendeutung können gegen eine Bearbeitungsgebühr (15 €) bestellt werden. Muster Kommentar und Karte.
Für Mitglieder des Instituts für Geschichtliche Landeskunde ist die Bearbeitung kostenlos. Bitte lesen Sie unsere Bedingungen. Kontakt:
Deutscher Familiennamenatlas, Institut für Geschichtliche Landeskunde, Universität Mainz (Gebäude Hegelstraße 59), 55099 Mainz, Tel. 06131/3938308,
E-Mail: namen{at}uni-mainz.de
oder
Kathrin Dräger Deutscher Familiennamenatlas, Deutsches Seminar I, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 79085 Freiburg, Tel. 0761/2033208, E-Mail: kathrin.draeger{at}germanistik.uni-freiburg.de


