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Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs

Leitung: Prof. Dr. Franz J. Felten / Bearbeitung: Dr. Hedwig Brüchert

 

Im Jahr 1944 waren im Deutschen Reich über sieben Millionen ausländische Zivilarbeitskräfte und Kriegsgefangene eingesetzt. Ein großer Teil von ihnen war zwangsweise aus ihrer Heimat nach Deutschland verschleppt worden. Zwangsarbeitskräfte waren in der Industrie und in Kleinbetrieben, in der Landwirtschaft, in Privathaushalten, in Staatsbetrieben und in kommunalen Verwaltungen in allen Regionen Deutschlands in Stadt und Land beschäftigt.

Auch im Raum Mainz/Wiesbaden und in den verschiedenen Regionen des heutigen Landes Rheinland-Pfalz wurde die Kriegswirtschaft mit Hilfe von vielen Tausenden von Zwangsarbeitskräften in Gang gehalten.

In einem mehrstufigen Forschungsprojekt, das vom Institut für Geschichtliche Landeskunde in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar, Abt. III der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt wird, wurde zunächst im Auftrag des Magistrats der Stadt Wiesbaden der Einsatz von Zwangsarbeitskräften in Wiesbaden erforscht. Die Ergebnisse dieses Teilprojekts liegen seit Frühjahr 2003 in gedruckter Form vor.

Die seit kurzem geführte Diskussion um die Entschädigung von Zwangsarbeitskräften, die von 1939 bis 1945 unter oft unmenschlichen Bedingungen in der Kriegswirtschaft des nationalsozialistischen Deutschland eingesetzt waren, hat ein Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte ins öffentliche Bewusstsein gerückt, das in der Forschung lange Zeit vernachlässigt wurde. Dabei fehlt es vor allem noch an regionalgeschichtlichen Studien. Diese können an konkreten Beispielen vor Ort besonders anschaulich machen, dass Zwangsarbeit während der Kriegsjahre im "Dritten Reich" allgegenwärtig war und sich nicht auf die Großindustrie beschränkte. Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen waren sowohl in der Industrie als auch in Mittelstands- und Kleinunternehmen, ebenso in öffentlichen Verwaltungen, in der Landwirtschaft und in Privathaushalten beschäftigt. Im Sommer 1944 waren im Gebiet des "Großdeutschen Reichs" rund 5,7 Millionen ausländische Zivilarbeiter und -arbeiterinnen sowie 1,9 Millionen Kriegsgefangene eingesetzt.

 

Dem Thema "Zwangsarbeit" sind auch die folgenden bereits abgeschlossenen bzw. laufenden weiteren Teilprojekte gewidmet:

Teilprojekt: Lehrerhandreichung "Zwangsarbeiterinnen im Raum Mainz-Wiesbaden in der Zeit des Zweiten Weltkrieges"

Außerdem wurde mit finanzieller Unterstützung durch das Frauenbüro der Johannes Gutenberg-Universität von Kerstin Kersandt eine Lehrerhandreichung erstellt, die sich dem Thema "Zwangsarbeiterinnen im Raum Mainz-Wiesbaden in der Zeit des Zweiten Weltkrieges" widmet. Hierbei steht insbesondere die Lebenssituation der "Ostarbeiterinnen" und ihrer Kinder im Mittelpunkt. In den meisten der größeren Zwangsarbeiterlager von Industriebetrieben und Kommunen lebte eine Reihe von Säuglingen und Kindern, über deren Schicksal bisher nur sehr wenig bekannt war. Zu diesem Thema wurde anhand von Fallbeispielen aus der Region eine Unterrichtseinheit entwickelt, die sich zum Einsatz an Schulen eignet.


Lehrerhandreichung: "Zwangsarbeiterinnen im Raum Mainz-Wiesbaden in der Zeit des Zweiten Weltkrieges"

Forschungskolloquium "Zwangsarbeit in Rheinland-Pfalz während des Zweiten Weltkriegs"

Im Herbst 2002 fand in Mainz unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Matheus und Dr. Hedwig Brüchert das Forschungskolloquium „Zwangsarbeitin Rheinland-Pfalz während des Zweiten Weltkriegs" statt. Die Vorträge wurden als Band 57 der Reihe "Geschichtliche Landeskunde" veröffentlicht. 

Teilprojekt: Homepage "Zwangsarbeit in Rheinland-Pfalz"

In Kooperation mit Archivensowie anderen Einrichtungen und einzelnen Historikern unseres Bundeslandes werden außerdem Forschungsergebnisse aus ganz Rheinland-Pfalz auf der Homepage
www.zwangsarbeit.rlp.geschichte.uni-mainz.de präsentiert. Die Seite wird laufend ergänzt. Dieses Projekt wurde durch die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz unterstützt. 

Teilprojekt: Zwangsarbeit in Mainz und Umland während des Zweiten Weltkrieges

In einem weiteren Teilprojekt wird derzeit das Thema Zwangsarbeit für das Gebiet der Stadt Mainz und ihr Umland erforscht. Dafür wurden bereits umfangreiche Quellenbestände ausgewertet und eine Personendatenbank aufgebaut. Es ist geplant, die Ergebnisse sowohl auf der Homepage "Zwangsarbeit in Rheinland-Pfalz" als auch in Form einer Dokumentation gedruckt zu veröffentlichen.

Publikation zum Thema

Hedwig Brüchert, Michael Matheus (Hrsg.): Zwangsarbeit in Rheinland-Pfalz während des Zweiten Weltkrieges. Mainzer Kolloquium 2002. Stuttgart 2004. (Geschichtliche Landeskunde 57) [mehr]

Weblink

Internetseite des Projektes "Zwangsarbeiter in Rheinland-Pfalz" [mehr]