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Gonsenheimer Jüdinnen und Juden im Dritten Reich

Der Maxborn wurde 1911 im Auftrag des ansässigen jüdischen Unternehmers August Saarbach in Gonsenheim errichtet. Der öffentlich zugängliche Brunnen soll an seinen im Vorjahr verstorbenen Sohn Max erinnern.

Leitung: Dr. Kai-Michael Sprenger/ Bearbeitung: Lisa Groh-Trautmann M.A., Christoph Schmieder M.A., Jasmin Gröninger

Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung des heutigen Mainzer Stadtteils Gonsenheim (eingemeindet 1938) ist bislang weitgehend unerforscht. Diesen Zustand soll eine Ausstellung, die derzeit an verschieden Ausstellungsorten in Gonsenheim der Öffentlichkeit präsentiert wird, ändern. Die Intention der Bearbeiter ist es, die Erinnerung wachzuhalten an die ‚vergessenen Nachbarn‘, das heißt jene Gonsenheimerinnen und Gonsenheimer, die zwischen 1933 und 1945 aufgrund rassistischer Zuschreibungen systematisch ausgegrenzt, entrechtet, ausgeplündert, vertrieben und teilweise in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ermordet wurden. Durch den Fokus auf eine Gemeinde bzw. auf einen Stadtteil wird zudem den Besucherinnen und Besuchern ins Gedächtnis gerufen, dass die Geschehnisse sich nicht in der Ferne, sondern im direkten und alltäglichen Umfeld abgespielt haben. Menschen und Schauplätze werden wiedererkannt, so dass das Geschehene nicht abstrakt bleibt, sondern unmittelbar und greifbar nachvollzogen werden kann. Zugleich ermöglicht die Erforschung des Themas, die Erinnerungen der letzten lebenden Zeitzeugen festzuhalten.

Die 'Hauptlast' der Ausstellung wird von Plakaten, bestückt mit Ausstellungstexten, Fotografien, Zeitungsausschnitten sowie weiteren schriftlichen oder bildlichen Quellen getragen. Zusätzlich kommen im Rahmen eines im Ausstellungsbereich zu zeigenden Films auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort, die – plastischer, als es in Schriftform möglich ist – das Bild der Zeit vervollständigen können und einen anderen, eher persönlichen Zugang zur Thematik bieten. Vertonte Gedichte eines Mainzer Dichters, der den ersten wie auf den zweiten Weltkrieg in seinen Werken thematisiert sowie ein Tagebucheintrag tragen zur Audiovisualität der Ausstellung bei. Die gewählten Ausstellungsexponate bieten den Vorteil einen schnellen Auf- und Abbau der Ausstellung zu ermöglichen. 

Ausstellungsbegleitend wäre das Erstellen einer Publikation wünschenswert, die über die Dokumentation der Ausstellung hinaus den Vorteil hätte, wesentliche Elemente  umfassender darzustellen und einzelne Aspekte zu vertiefen. Darüber hinaus können die durch die Erarbeitung der Ausstellung gewonnenen Erkenntnisse so festgehalten werden und auch nach Ausstellungsende allen Interessierten zur Verfügung stehen. Es besteht zudem die Überlegung, in die Ausstellung einen Ort des Austauschs zu integrieren. Das sehr emotionale Thema könnte sowohl bei jüngeren Besucherinnen und Besuchern den Wunsch nach einer Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen und Gefühle festzuhalten, als auch bei der „Zeitzeugengeneration“ das Bedürfnis, ihre Erlebnisse zu dokumentieren, hervorrufen.

Die Erforschung der Schicksale der Gonsenheimer Jüdinnen und Juden hat gezeigt, dass es nicht statthaft ist, ihre Geschichte auf die zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft zu beschränken. Dies wird auch in der Ausstellungsstruktur seinen Niederschlag finden. Wenn, so die These, es sich um vergessene Nachbarn handelt, was macht die vertriebenen und ermordeten Jüdinnen und Juden zu Nachbarn und worin findet diese Nachbarschaft ihren Ausdruck? Dazu ist es von zentraler Bedeutung, die Tatsache ins Bewusstsein zu rufen, dass die Menschen, die wegen einer angeblichen Rassenzugehörigkeit ab 1933 entrechtet und schließlich zu einem großen Teil ermordet wurden, ein unumstrittener Bestandteil der Gesellschaft waren, aus der sie ab 1933 sukzessive ausgeschlossen wurden.

Der erste chronologische Teil beschäftigt sich deshalb mit der Integration der Jüdinnen und Juden in die Gesellschaft des Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Der zweite zentrale Teil thematisiert die Zeit des Dritten Reiches. In fünf Themenblöcken beschäftigt er sich zunächst mit der nationalsozialistischen Definition eines Juden. Daraufhin wird in den Blick genommen, wie in den ersten Jahren des Dritten Reiches mit der Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung durch Gesetze und Terror begonnen wurde. Die Emigration, die eine Folge dieser Ausgrenzung war, bildet einen dritten Themenblock. Der vierte Block widmet sich der Ermordung der verbliebenen Gonsenheimer Jüdinnen und Juden, das heißt der Konzentration der jüdischen Bevölkerung in Judenhäusern und der Deportation und Ermordung. Neben all diesen Verbrechen werden in einem fünften und letzten Block des Hauptteils auch Versuche der Hilfe und Unterstützung von Gonsenheimerinnen und Gonsenheimern für ihre verfolgten Mitbürgerinnen und Mitbürger dargestellt. Der abschließende dritte Teil der Ausstellung thematisiert die Aufarbeitung der Verbrechen. Dies betrifft einmal die juristische Aufarbeitung, also die Bestrafung der Täter und die Entschädigung der Opfer, aber auch die anfängliche Verdrängung und spätere Versuche des Erinnerns und Versöhnens.

Durch diese drei Hauptteile der Ausstellung wird der Besucher in chronologischer Abfolge geführt. Um dem Thema „Nachbarn“ gerecht zu werden, werden einige Gonsenheimer Familien und Einzelpersonen im Rahmen der Ausstellung genauer vorgestellt. Solche „Familien- oder Personenbilder“ können ein greifbares und leichter nachvollziehbares Bild erzeugen, was das Zeitgeschehen für den Einzelnen bedeutet hat. 

Das Projekt wird vom Gonsenheimer Heimat- und Geschichtsverein (HGG), den im Ortsbeirat vertretenen politischen Fraktionen sowie den kirchlichen Gemeinden als Kooperationspartner unterstützt. Die Finanzierung der des Begleitprogramms der Ausstellung ist jedoch noch nicht gesichert. Deshalb sind wir auf weitere Mithilfe angewiesen, um ein Stück Gonsenheimer Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Für alle Interessentinnen und Interessenten besteht die Möglichkeit, das Projekt durch eine Spende auf das Drittmittelkonto des IGL (s. oben) zu unterstützen.

Spendenkonto

Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Rheinland-Pfalz-Bank
IBAN: DE74 6005 0101 7401 5041 84
Verwendungszweck: Name und Stichwort "Juden in Gonsenheim"