Logo des InstitutsInstitut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Die Wirtschaftsgeschichte des rheinland-pfälzischen Raums

Leitung: Prof. Dr. Michael Matheus / Bearbeitung: Dr. Ute Engelen

Eröffnung des SCHOTT-Werks Mainz 1952 (© SCHOTT AG)

 

Ziel des Projektes

Die Wirtschaftsgeschichte des rheinland-pfälzischen Raums ist bislang kaum untersucht. Zwar liegen Publikationen zu einigen Unternehmen und Branchen in bestimmten Zeiträumen vor, doch lassen diese große Lücken, besonders für den mit der Gründung des Bundeslandes beginnenden Zeitraum. Forschungsdesiderate sind u. a. die Entwicklung verschiedener Wirtschaftszweige, die ökonomischen Standortbedingungen, die Geschichte von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften, aber auch die zunehmende Globalisierung und die Vernetzung verschiedener Unternehmen und Akteure. 

Das Institut für Geschichtliche Landeskunde will einen Beitrag zur Erforschung der Unternehmensgeschichte von Rheinland-Pfalz leisten und auch andere Akteure, nicht zuletzt die Unternehmen selbst, zur Beschäftigung mit diesen Themen anregen. Tagungen sollen Gelegenheit zur Diskussion des Forschungsstandes und neuer Perspektiven sowie zur weiteren Vernetzung der interessierten Forscher geben. Mithilfe kleinerer Projekte wird auf Forschungspotential hingewiesen und dazu beigetragen, die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Unternehmengeschichtsschreibung voranzutreiben. Beispiele hierfür sind die Unternehmens- und Familiengeschichte der Zuckerwarenfabrik L. Goebel sowie die Projekte zu Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Die Geschichte der Unternehmen des rheinland-pfälzischen Raums kann nur unter Berücksichtigung ihres sozialen Kontextes analysiert werden, was eine Verknüpfung mit der Konsumgeschichte ermöglicht. Eine Konzentration auf das 19. und 20. Jahrhundert liegt aufgrund der starken wirtschaftlichen Umwälzungen im Gefolge der Industrialisierung und der bedeutenden Wirtschaftsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkrieges, aber auch der Quellenlage nahe.

Nach oben

Website www.wirtschaftsgeschichte-rlp.de

2012 hat das Institut die Website www.wirtschaftsgeschichte-rlp.de gelauncht, auf der über 70 traditionsreiche rheinland-pfälzische Unternehmen ihre Geschichte vorstellen oder deren Unternehmensgeschichte anhand von Quellen und Veröffentlichungen recherchiert wurde. Für diese Website wurde auch eine Analyse der Wirtschaftsstruktur des neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz anhand der Jahresberichte des statistischen Landesamtes und Publikationen des statistischen Bundesamtes erarbeitet, die die Bedeutung bestimmter Branchen jenseits von „Reben und Rüben“ wie der chemischen Industrie, des Maschinenbaus und der Schuhindustrie für das Land Rheinland-Pfalz zeigt. Mehr Informationen zur Wirtschaftsstruktur

Branchenstudie zur chemischen Industrie im Raum Mainz/Wiesbaden

Zurzeit wird am IGL eine Branchenstudie zur chemischen, pharmazeutischen und Lackindustrie im Raum Mainz/Wiesbaden nach 1945 bis in die 1980er-Jahre durchgeführt. Die chemische Industrie war und ist eine bedeutende Branche in Rheinland-Pfalz. Viele der mittelständischen und häufig am Rhein angesiedelten Betriebe erschlossen nach 1945 erneut internationale Märkte. Sie standen selten in direkter Konkurrenz zueinander. Durch die Neueröffnung der Universität Mainz 1946 und die Verlegung des Max-Planck-Instituts für Chemie vom provisorischen Standort in Tailfingen nach Mainz ergaben sich Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Die chemischen Betriebe werden nicht isoliert, sondern in ihrer Wechselbeziehung zu ihrer städtischen Umwelt betrachtet. Zu fokussierende Aspekte sind je nach Quellenlage Vorgehensweisen zur Internationalisierung, betriebliche Umwelt- sowie Personalpolitik.

Auswirkungen der französischen Besatzung auf Unternehmen 1918-1930

Über die Besetzung des Rheinlands nach dem Ersten Weltkrieg ist wenig bekannt. Einige Gebiete, so auch die Städte Mainz und Worms, waren bis 1930 besetzt (siehe Karte aus Henry T. Allen, 1927). Neben den allgemeinen Herausforderungen der Zeit waren die Unternehmen in der besetzten Zone, insbesondere im französischen Teil, mit zusätzlichen Einschränkungen konfrontiert. So konnte 1918/919, 1921 und 1923/24 nur mit bedingt und gegen Zollleistung über den Rhein gehandelt werden, sodass das besetzte Gebiet vom übrigen Reichsgebiet abgeschirmt war.

Im Projekt steht die Frage im Mittelpunkt, ob die französische Besatzungspolitik die Unternehmen im Gebiet schwer schädigte oder ob die Wurzeln der wirtschaftlichen Krise vieler Betriebe eher im Krieg zu finden sind.